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Das Projekt „Des Bergmanns Kittel“

Erschließung und Präsentation der Funde vom Ausbiss des Alten Lagers am Weltkulturerbe Rammelsberg

Das in Kooperation zwischen der Arbeitsstelle Montanarchäologie Goslar des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege und dem Weltkulturerbe Rammelsberg durchgeführte Forschungsvorhaben „Des Bergmanns Kittel“ widmet sich den bedeutenden mittelalterlichen Textil- und Lederfunden der Ausgrabungen am Alten Lager des Rammelsberges. Das Projekt wird von dem Programm Pro*Niedersachsen für eine Dauer von 1,5 Jahren gefördert.

Die frühe Montangeschichte des Harzes hat in den letzten Jahrzehnten durch die archäologischen Forschungen der Arbeitsstelle Montanarchäologie in Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen Wissenschaften einen erheblichen und historisch bedeutenden Erkenntniszuwachs erfahren. Der Zufallsfund eines Schuhs aus dem 11. Jh. am Ausbiss des Alten Lagers am Rammelsberg stellte die allgemein verbreitete Meinung, die Spuren des „Alten Mannes“ seien komplett überprägt, auf den Kopf. Denn die im Anschluss an die Entdeckung mit Hilfe des Caritas Verbandes für Stadt und Landkreis Goslar e.V., des Jobcenters Goslar und der Bergbau Goslar GmbH zwischen 2010 und 2016 durchgeführten Surveys und mehrmonatigen Grabungskampagnen sorgten für unerwartete Befunde und zahllose Funde, die vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit reichen. Besonders herausragend ist dabei die organische Erhaltung im Boden aufgrund der Durchtränkung mit Schwermetallen. So konnten an Befunden unter anderem mächtige Schichten gut erhaltener Beilspäne und bearbeitete Holzbalken beobachtet werden, die auf einen Werkplatz hindeuten. Aber auch ein Stollenabschnitt mit komplett erhaltenem Holzausbau wurde angetroffen, dessen Hölzer wohl auf diesem Platz zugerichtet worden sind.

Ärmel-Ausgrabung-Altes-Lager_Rammelsber
Detailaufnahmen während der Restaurierung

Das wissenschaftliche Ziel in dem neuen Forschungsprojekt stellen jedoch die zahlreichen hervorragend überlieferten Textil- und Lederreste des Fundplatzes dar. Sie gewähren einen seltenen Einblick in alltägliche Kleidung und Gegenstände einer Zeit zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert. Zu den über 150 Objekten zählen Teile von Kleidungsstücken, darunter Ärmel und Hosenbeine, Lederschuhe und -gürtel, Web-, Wirk- und Walkstoffe sowie zahlreiche unterschiedliche Seilreste. Seit einer Basisaufnahme während ihrer Restaurierung wurde bislang noch keine wissenschaftliche Bearbeitung durchgeführt. In dem Vorhaben ist neben wissenschaftlichen Laboruntersuchungen auch eine Zusammenstellung und Veröffentlichung der Objekte in einem Fundkatalog geplant.

Im Anschluss an die wissenschaftliche Erschließung sollen die Textil- und Lederfunde sowie die erschlossenen Befundkontexte auf einer Themeninsel in der kulturhistorischen Dauerausstellung im Museumshaus „Magazin“ des Weltkulturerbes Rammelsberg präsentiert werden. Das Ausstellungskonzept, in dem die montanarchäologischen Funde und Befunde zur Frühgeschichte des Harzer Montanwesens seit über 20 Jahren zu sehen sind, soll hinsichtlich der Vermittlungsformen und auch des Forschungsstandes unbedingt aktualisiert werden. Die einzigartige Fundstelle am Ausbiss des Alten Lagers soll in den Mittelpunkt der neuen Präsentation am Weltkulturerbe Rammelsberg gestellt werden.

Das Projekt verbindet auf interdisziplinäre Weise an einem Ort die laufenden textil- und montanarchäologischen Forschungsarbeiten mit der museologischen Praxis einer Dauerausstellung im Umbruch.